Typisch Türkisch: Pestemal (Hamamtuch)

Typisch Türkisch, universell einsetzbar: Das traditionelle Pestamal

Das Pestemal ist ein gewebtes Tuch in einer Vielzahl von Mustern und inzwischen auch Größen. Sein Ursprung liegt in Anatolien, wo es vor allem in den berühmten türkischen Dampfbädern genutzt wurde. Dank seiner herausragenden Eigenschaften hat das Pestemal in den letzten Jahrzehnten einen erfolgreichen Siegeszug nicht nur in europäische Badezimmer angetreten: Es ist nämlich ein praktischer und dekorativer Begleiter auf Reisen, lässt sich zu den verschiedensten Kleidungsstücken umfunktionieren und spielt auch in Küche und Kinderzimmer nützliche Rollen.

Klassischerweise waren die Hamamtücher rot oder blau kariert. Inzwischen gibt es sie aber neben den wollweißen Exemplaren in unendlichen Farb- und Gestaltungsvariationen mit vielen Webstrukturen. Bei vielen Hamamtüchern sind die Kettfäden der Schmalseiten zu den charakteristischen Troddeln zusammen gedreht und verknotet. Das am häufigsten verwendete Pestemalmaterial ist Baumwolle, was auch an der lokalen Verfügbarkeit liegt. Die Geschichte des Baumwollanbaus kann in der Türkei bis ins 3. Jahrhundert vor Christi nachgewiesen werden. Verstärkt als Nutzpflanze kultiviert wird sie seit dem 11. Jahrhundert, und hat im 14. Jahrhundert nochmals zunehmende Beliebtheit erfahren. Gerade die Baumwolle Südost-Anatoliens ist als besonders hochwertig bekannt. Sie liefert einen ausgezeichneten Rohstoff für die Pestemals, die sie auf organischem und völlig natürlichen Weg zu hygienischen, atmungsaktiven, antistatischen und hoch absorbierenden Handtüchern macht. Auch Leinen war jeher ein traditionelles, aber weniger häufig genutztes Webmaterial. Neuerdings werden auch Bambusfasern zur Verarbeitung genutzt. Ebenfalls modernisiert wurde die Produktionsweise: Waren die Hamamtücher früher immer handgewebt, werden sie heute häufig maschinell hergestellt.

Die Tüchergrößen sind inzwischen ebenfalls sehr variabel geworden, wenn auch das klassische Maße immer noch 90 x 180 cm beträgt. Diese Größe machte im Hamam neben dem Abtrocknen weitere flexible Einsätze möglich. Männer tragen das Hamamtuch um die Hüften geschlungen, so dass sie bis zum Knöchel reichen können; Frauen wickeln sich die Pestemals unter den Achselhöhlen um die Brust. Auch als gewundene Kopfbedeckung zum Schutz oder nach dem Haarewaschen eignen sie sich.

Die reiche Geschichte des Pestemals

Ursprünglich hat das Pestemal seinen Ursprung in Anatolien. Im Verlauf seiner fast sechshundertjährigen Geschichte war es hauptsächlich ein traditionelles Handtuch zur großzügigen Umhüllung des Körpers. Als solches kam es zum Baden und im Hamam zum Einsatz, aber auch als Schutz von Kleidung beim Arbeiten. In dieser Funktion kann es in Beliebtheit, Verbreitung und Musterreichtum mit dem indischen Sari oder dem asiatischen Sarong verglichen werden. Ähnlich wie diese unterschieden sich auch die Pestemals in Stil von Region zu Region – vor allem an der Farbgestaltung konnten Kenner die Herkunft identifizieren.

Die Webtechnik war ebenfalls über Jahrhunderte eine traditionelle Handarbeit, die von Frauen rund um das Schwarze Meer und die Ägäische Regionen auf soliden Handwebstühlen ausgeführt wurde. So eingebettet waren die Pestemals in die türkische Kultur, dass sie lange eine zentrale Rolle in den gegenseitigen Verlobungsgaben eines Paares einnahmen: Diese schenkten sich als Ausdruck ihrer Absichten ein Badeset mit prächtigen Hamamtüchern.

Neu entdeckt als praktisches Tuch für Zuhause und unterwegs

Das Hamamtuch hat dem im deutschen Raum häufig verwendeten Frotteetuch einiges voraus: Sie saugen Feuchtigkeit ebenso zuverlässig auf, aber nehmen zusammengefaltet sehr viel weniger Platz in Schränken und Koffern ein. Ihr Gewicht ist erstaunlich gering, was sie zu perfekten Reisebegleitern gerade auf Familienurlauben oder bei Kurztrips mit Handgepäck macht. Durch die gewebte Baumwollverarbeitung trocknen sie deutlich schneller als Frottee und behalten zuverlässig ihre Form. Bei mindestens 60 Grad waschbar sind sie hygienisch und können auch für die Babypflege optimal eingesetzt werden.

Die charakteristischen Eigenschaften des Pestemals lassen neben dem Einsatz im Hamam oder als Bade- und Duschtuch noch eine Vielzahl alternativer Nutzungsmöglichkeiten zu. Ihre hohe Saugfähigkeit machen sie zu beliebten Saunatüchern. Die großen Exemplare sind perfekte Strandbegleiter, die auch in kleine Taschen passen und bei heißem Wetter ein ausgesprochen angenehmes Hautgefühl bewahren. Gerade in den letzten Jahren haben sie sich zu den bevorzugten Beachaccessoires vieler Hollywoodstars entwickelt und sind heute von den Stränden etwa Kaliforniens nicht mehr wegzudenken. Kleinere Exemplare machen sich sehr dekorativ im Gästebad, und passen zusammengefaltet in das winzigste Regal. Masseure und Heilpraktiker nutzen sie gerne in Praxen und auf Massagebänken.

Aber auch für ganz andere Nutzungen werden die Pestemals entdeckt. Durch die rustikalen, aber dabei stilvollen Muster- und Gewebestrukturen eignen sie sich als Tischdecken im Shabby Chic oder mediterranen Country-Look oder als dekorative Picknickdecken. Mit schnell angebrachten Clipsen werden aus den Hamamtüchern leichte Vorhangschals mit sanfter Lichtdurchlässigkeit. Auch als Sonnenschutz über dem Kinderwagen verschaffen sie Schatten, ohne die Luft auszuschließen und schaffen eine beruhigende Atmosphäre. An lauen Sommerabenden sind sie perfekte Capes oder luftige Decken für Kinder und Erwachsene auch im Flugzeug oder Zug. Überhaupt ist der Einsatz der Pestemals als Kleidungsstücke fast unendlich: Vom fransigen Folkloreschal, über ein gebundenes Oberteil zum Sommerrock, bis zum pareoähnlichen Rock. Die exzellenten Wascheigenschaften machen sie außerdem zu ausgefallenen Kochschürzen.

Keine Pestemals ohne den klassischen Hamam

Beim Besuch des traditionellen, türkischen Hamams bekommen Besucher automatisch ein Pestemaltuch sowie eine Wasserschale zur Verfügung gestellt. Damit wird gleich zu Beginn eines Besuches dieser traditionellen, türkischen Dampfbäder der Geist der Gastfreundschaft unter Beweis gestellt. Der Hamam selbst ist nicht nur in der Türkei, sondern fast im gesamten arabischen Raum verbreitet und spielt seit dem Mittelalter eine zentrale Rolle in der Badekultur des Islam.

Sein räumlicher Aufbau sieht klassischerweise eine zentrale, runde Liegefläche aus Marmor in der Raummitte vor, die Nabelstein genannt wird. Die Pestemals werden von allen Besuchern vor Betreten der gemeinsam genutzten Räumlichkeiten angelegt. Zumindest im öffentlichen Raum werden die Dampfbäder von Männern und Frauen getrennt benutzt – in größeren Hamams durch separierte Räumlichkeiten, in kleineren durch verschiedenen Nutzungszeiten. In manchen europäischen Städten hat sich diese Trennung aufgelöst; das gleiche gilt für hoteleigene Hamams, dort sogar manchmal in der Türkei selbst.

Die Behandlung sieht zumindest in den meisten europäischen Hamans für jeden Besucher das Übergießen von kaltem oder warmen Wasser vor, das mit speziellen Schüsseln aus an den Wänden befestigten Waschbecken geschöpft wird. Dies kann der Besucher selber übernehmen. Alternativ überlässt er oder sie sich den geübten Händen des traditionellen Bademeisters, „Tellak“ genannt. Dieser ist auch der ausgewiesene Spezialist in der Einseifung mit dem Baumwollsäckchen. Alle Tellas sind außerdem ausgezeichnete Masseure, meist mit jahrelanger Erfahrung. Gegen einen Aufpreis sind entspannende Ölmassagen oder reinigende Seifenmassagen ein Genuss. Eine entgiftende Wirkung wird den ebenfalls angebotenen Peelings zugesagt. Dabei kommt der traditionell raue „Kese“-Handschuh zum Einsatz, mit dem die Haut unter kraftvollem, gezielt eingesetzten Druck gerubbelt wird.

Zum Abschluss entspannt sich der Besucher im wieder umgeschlungenen Pestemal-Handtuch in moderater temperierten Räumlichkeiten bei Tee oder dem berühmten, türkischen Ayran, einem erfrischenden Joghurtgetränk. Dabei zeigen sich alle Eigenschaften des Hamamtuches von ihrer besten Seite: Es nimmt den der Haut entweichenden Wasserdampf auf, liegt angenehm an, ohne zu schwer zu werden und wärmt gleichzeitig den langsam kühler werdenden Körper.